Weltneuheit OrCam MyEye in Salzburg

Weltneuheit OrCam MyEye in Salzburg

OrCam MyEye ist derzeit weltweit das modernste Bild- und Texterkennungsgerät für Blinde und hochgradig Sehbehinderte. Bei einer Präsentation im Blinden- und sehbehindertenverband durch die Wiener Hilfsmittelfirma TSB Transdanubia konnten sich die Mitglieder live von den vielen Möglichkeiten dieses kleinen Gerätes mit großer Wirkung überzeugen.

Der kleine Bügel, bestehend aus Kameralinse und Lautsprecher, wird direkt an einer Brille befestigt und über ein dünnes Kabel mit einem Computer - nicht größer als eine Fernbedienung - verbunden. Die Kamera erfasst den Bereich der Blickrichtung. So wird etwa mit dem Finger auf einen Text getippt dieser in Echtzeit nur für den Träger hörbar vorgelesen. Nochmal tippen verstummt die Ansage. So können Zeitungen, Bücher, Briefe, Plakate, Speisekarten, Schilder, Etiketten von Produkten, wie auch Text auf Anzeigen und Displays gelesen werden. Sogar Gesichter von Menschen erkennt OrCam, sobald sie im Blickfeld der Kamera sind. Hier können bis zu 20 Gesichter gespeichert werden. So weiß der Seheingeschränkte sofort, wer vor ihm steht. Peinliche Situationen können so vermieden werden.

OrCam wurde speziell für hochgradig sehbehinderte (mit Erkrankungen wie Makula Degeneration oder Retinitis Pigmentosa) wie auch für blinde Menschen entwickelt, um den Alltag zu erleichtern, die Selbstständigkeit zu erhöhen und die Lebensqualität zu steigern. Das bedingt auch eine andere Form der Tonübertragung. Würde man blinden oder stark seheingeschränkten Personen die Ohren mit Kopfhörern verschließen, wäre eine Orientierung unmöglich. Die Wahrnehmung von Tönen und  Geräuschen ist absolut notwendig. Daher arbeitet die OrCam mit einem Bügel, der auf dem Hörknochen liegt und so die Töne weiterleitet.

Für 74 Personen in Österreich läuft ein Bestellungs- und Förderverfahren. Die Kosten für die Lesebrille inklusiver professioneller Einschulung sind mit 4.300 € sehr hoch. Über die Höhe der Förderung gibt es noch keine Erfahrungswerte. Die Brille wurde in Israel entwickelt. Sie ist dort sowie in Kanada und USA seit 4 Jahren im Einsatz. Seit letztem Jahr gibt es auch die deutsche Sprachausgabe. Die nächste Innovation, eine Sitzplatzerkennung für Bus, Zug, Restaurant, Wartezimmern etc. ist schon in Arbeit. Dazu benötigt es nur ein Update. Die Brille bleibt so wie sie ist. Ansprechpartner für den BSVS in Sachen OrCam ist die Firma „TSB Transdanubia“.

 

Hilfsmittel helfen, sind aber sehr teuer

Blindenhilfsmittel gibt es viele, von der Uhr mit Sprachausgabe bis zum Führhund und sie helfen, wie im Fall der OrCam. „Sie würde mich in meiner Mobilität extrem unterstützen. Ich könnte überall Texte schnell und einfach lesen. Das ist sonst nicht möglich. Anzeigen im Bahnhof, Speisekarten, Straßenschilder usw. wären so kein Problem und ich bräuchte nicht mehr um Hilfe bitten. Gerade auf Reisen ist das oft unangenehm“, erzählt Josef Schinwald, selbst Betroffener und Obmann des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Salzburg, von den Möglichkeiten dieses Produktes. Aber die Hilfsmittel sind teuer – für viele Betroffene nicht leistbar. Zwar wird um Förderungen angesucht, aber immer öfter werden diese abgelehnt. Dann müssen viele dieser Hilfsmittel aus eigener Tasche finanziert werden, weil es keine Unterstützung gibt oder weil sie nicht im ASVG-Hilfsmittelkatalog integriert sind, wie zum Beispiel ein Blindenführhund mit Anschaffungskosten von bis zu 35.000 €. Teuer sind auch spezielle Hilfsmittel aus dem Computerbereich. Ein entsprechend ausgerüsteter Laptop mit angepasster Software für Sprachausgabe kostet ca. 4.000 €. Für eine passende Braille-Zeile, die Text in Blindenschrift umwandelt, kommen noch einmal ab ca. 6.000 € dazu.

Befindet sich die betroffene Person in einem Arbeitsprozess oder in der Ausbildung werden die Hilfsmittel durch die öffentliche Hand in der Regel finanziert. „Jedoch sind viele unserer Mitglieder in der Berufsunfähigkeits- oder Invaliditätspension. Für diese Menschen meist 40 plus, wird es zunehmend schwieriger Förderungen für Hilfsmittel zu bekommen. Ist die finanzielle Situation hier sehr schlecht und hat das auch eine genaue Prüfung durch unseren Verein ergeben, wird mit Spendengeldern unterstützt. Denn Texte wieder selbst zu lesen oder das Internet zu nutzen bedeutet für blinde und sehbehinderte Menschen Selbstbestimmung, Freiheit, Teilnahme am Leben und vielleicht auch wieder Jobchancen“, so Josef Schinwald.

Blinden- und Sehbehindertenverband Salzburg (BSVS)

Der Anteil von Menschen mit Sehbeeinträchtigung liegt in Österreich bei rund 43,4 Prozent. Das bedeutet, nahezu jeder Zweite sieht schlecht. Bei den meisten kann dies operativ oder durch Sehbehelfe korrigiert werden, dennoch leben 400.000 Menschen mit einer irreparablen Beeinträchtigung. Genaue Zahlen gibt es dazu nicht, auch nicht für das Bundesland Salzburg. Diesen Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und vor allem neue Chancen zu erarbeiten ist das Ziel des BSVS, die einzige Selbsthilfeorganisation für blinde und sehbehinderte Menschen im Bundesland Salzburg.

Mehr als 400 Mitgliedern nutzen das umfassende Schulungs- und Beratungsangebot sowie ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm. Darüber hinaus unterstützt der Verband seine Mitglieder finanziell – etwa bei der Anschaffung eines Blindenführhundes – und leistet im Interesse blinder und sehbehinderter Menschen Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit.

Um all diese Leistungen erbringen zu können, ist der BSVS als gemeinnütziger Verein auf Spenden angewiesen. Er ist eine von sieben Landesorganisationen des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Österreich (BSVÖ), Vertretungsorganisation für über 318.000 schwer sehbeeinträchtigte Menschen in Österreich.