Presseinformation zum Tag der Sehbehinderung

Presseinformation zum Tag der Sehbehinderung

Donnerstag, 06.06.2019

Ins Kino gehen, die neuesten Filme sehen, mitreden, einfach dabei sein. Das ist jetzt blinden und sehbehinderten Menschen möglich und zwar im DAS KINO. Dem ersten Kino im Bundesland Salzburg, das Filme mit Audiodeskription für die App Greta anbietet. Die kostenlose App liefert Betroffenen via eigenem Smartphone und Kopfhörer neben der normalen Tonspur eine zusätzliche Bildbeschreibung. So werden Filme für Blinde und Sehbehinderte erlebbar. Welche Filme das sind, zeigt ein Extrasymbol im monatlichen Programm des DAS KINOs. Zur Premiere der Neuheit wird es am 6.6.2019, dem Tag der Sehbehinderung eine öffentliche Vorführung von DIE GOLDFISCHE um 18 Uhr geben. Wer es an dem Tag nicht schafft, hat bis zum 23.6. täglich die Gelegenheit dazu sich diesen Film mit Audiodeskription anzusehen. Egal, ob man sehbehindert oder sehend ist, denn ist die App nicht aktiviert wird man von dem zusätzlichen Service für Betroffene nichts merken.

„Am Tag der Sehbehinderung weisen wir jedes Jahr mit Aktionen auf die Möglichkeiten und Chancen von Menschen hin, die nichts oder sehr schlecht sehen. Heute machen wir das gemeinsam mit dem DAS KINO und einer speziellen App für Audiodeskription. Auch mit geringem oder keinem Sehvermögen ist vieles möglich. Es ist wichtig, dass man seine Lebensfreude erhält und da gehört ein Kinobesuch definitiv dazu. Die detailgenauen Beschreibungen, welche die App mir via Smartphone und Kopfhörer in mein Ohr liefert, lassen Bilder in meinem Kopf entstehen. Der Film wird für mich erlebbar“, erzählt Josef Schinwald, Obmann des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Salzburg (BSVS). So passt die Aktion gut zum Tag der Sehbehinderung und gleichzeitig zum Motto des BSVS „Gemeinsam mehr sehen“. Darauf macht auch die aktuelle Plakatkampagne des BSVS in Salzburg aufmerksam.

„In unserem Haus stößt Barrierefreiheit immer wieder baulich an denkmalgeschützte Grenzen. Was ich sehr bedauere, aber nicht ändern kann. So freut es mich in dem Zusammenhang sehr, dass barrierefreier Kulturgenuss mittels der App einfach, ohne technischem Aufwand oder zusätzlichen Kosten für Umbauten möglich ist. In Zukunft schauen wir darauf diese speziellen Filme, die neben der normalen Tonspur eine Audiodeskription mitliefern, vermehrt in unser Programm aufzunehmen. Damit können blinde und sehbehinderte Menschen mit ihren Freund*innen und Kolleg*innen jederzeit ins Kino gehen“, erklärt Mag.a. Renate Wurm, Geschäftsführerin vom DAS KINO ihre spontane Bereitschaft hier mitzumachen und so das erste offizielle „Greta-Kino“ im Bundesland Salzburg zu sein.

Die App ermöglicht neben der Audiodeskription auch die Auswahl von Untertiteln. So macht der barrierefreie Kinogenuss auch vor hörbeeinträchtigten Besucher*innen nicht Halt. Zusätzlich verfügt das DAS KINO über eine eben erst modernisierte Induktionsanlage in den Kinosälen.

Was ist eine Audiodeskription?

Zusätzlich zur normalen Tonspur mit Geräuschen und Dialogen erzählt die Audiodeskription alles, was sich nur vom Bild her erschließt. Die Schilderungen umfassen in knappen Worten, aber durchaus genau beobachtet und detailliert, wichtige Elemente der Handlung, Gestik, Mimik und der dramaturgisch relevanten Umgebung. So wird etwa der Gesichtsausdruck

einer Figur oder der Einrichtungsstil der Wohnung exakt beschrieben. Das passiert immer in den Dialogpausen. Mit der kostenlosen App Greta können Blinde einfach einen Kopfhörer aufsetzen und die Szenenbeschreibungen hören, ohne andere Zuschauer*innen zu stören. Die App erkennt den Filmstart automatisch und spielt die Audiodeskription synchron ab. Audiodeskription ermöglicht blinden Zuschauer*innen auf diese Weise einen Film zu erleben.

Wie entstand die App Greta?

Seneit Debese, Geschäftsführerin und Inhaberin von „Greta & Starks“ in Berlin, ist Filmemacherin und drehte 2011 eine Reportage über eine blinde Läuferin. Dabei wurde ihr bewusst wie wenig attraktiv das Kino für blinde und sehbehinderte Menschen ist. Das war der Start für die App, die seit 5 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Was bedeutet Sehbehinderung?

Als sehbehindert gilt, wer trotz Korrektur normale Sehfunktionswerte nicht erreicht und dessen Sehschärfe in der Ferne und/oder in der Nähe auf 1/3 (30%) bis 1/20 (5%) der Norm (100%) herabgesetzt ist. Das heißt, dass Sehbehinderte mit 1/20 Sehkraft aus 1m Entfernung das erkennen können, was Normalsichtige aus 20m Entfernung sehen. Ebenso können Gesichtsfeldausfälle von entsprechendem Schweregrad eine Sehbehinderung begründen.

Blinden- und Sehbehindertenverband Salzburg (BSVS)

Der Anteil von Menschen mit Sehbeeinträchtigung liegt in Österreich bei rund 43,4 Prozent. Das bedeutet, nahezu jeder Zweite sieht schlecht. Bei den meisten kann dies operativ oder durch Sehbehelfe korrigiert werden, dennoch leben ca. 300.000 Menschen mit einer irreparablen Beeinträchtigung. In Salzburg sind dies ca.1.500 Menschen. Wobei die Dunkelziffer sicher höher ist. Gerade am Land wird eine Sehbehinderung oftmals als unveränderlicher Zustand hingenommen. Diesen Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und vor allem neue Chancen zu erarbeiten, ist das Ziel des BSVS, der einzigen Selbsthilfeorganisation im Bundesland mit mehr als 400 aktiven Mitglieder. Der BSVS ist als gemeinnütziger Verein auf Spenden angewiesen.

 

Weitere Informationen:

Sigrid Gruber, Presse DAS KINO; Tel.+43 662-87 31 00-13; eMail Das Kino

Josef Schinwald, Obmann des BSVS; Mobil 0664/82 89 201; eMail Josef Schinwald

GK_PR Gerlinde Kämmerer; Mobil 0676/9431468; eMail Gerlinde Kämmerer

Foto: vlnr: Mag.a. Renate Wurm, Geschäftsführerin vom DAS KINO; Josef Schinwald, Obmann des BSVS
vlnr: Mag.a. Renate Wurm, Geschäftsführerin vom DAS KINO; Josef Schinwald, Obmann des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Salzburg (BSVS) Fotocredit: Neumayr; Abdruck honorarfrei

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