Das Museum be-greifen

Das Museum be-greifen

Haus der Matur © Fotocredits: Neumayr / Christian LEOPOLD
Haus der Natur © Fotocredits: Neumayr / Christian LEOPOLD

Das Haus der Natur erweitert sein Angebot der inklusiven Naturvermittlung.

Seit 9. November 2017 gibt es ein neues Vermittlungsangebot im Haus der Natur. Während der eineinhalbstündigen Führung für blinde und sehbehinderte Menschen ist das Berühren von Exponaten nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Die Führung ist ab sofort Bestandteil des regulären Angebots und kann jederzeit gebucht werden.

Anders sehen

Wenn ein Sinn eingeschränkt ist, muss man eben alle anderen nutzen. Mit Unterstützung des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Salzburg stellte die Museumspädagogin Martina Winkler ein abwechslungsreiches Programm zusammen: „Wichtig bei Führungen für Menschen mit Sehbeeinträchtigung ist, dass sich alle Beteiligten genügend Zeit dafür nehmen. Exponate, die sich die meisten von uns einfach ansehen, müssen für nichtsehende Menschen zuerst genau beschrieben und dann durch Ertasten oder andere Sinne erleb- und begreifbar gemacht werden.“ So tastet man sich in Kleingruppen durch die Ausstellungen des Museums: vom riesigen Halswirbel eines Wales hin zu Schlangenhäuten, Echseneiern, Kristallen und Haifischzähnen. Man lauscht dem Ortungssignal einer Hufeisennase und spitzt die Ohren für den Doppler Effekt. Hinter den Kulissen von Aquarium und Reptilienzoo hinterlassen Geruch und Geschmack des Meerwassers und der hautnahe Kontakt zu lebenden Seesternen oder Strahlenschildkröten bleibende Eindrücke.

Experiment „Licht aus“

Die Führung kann aber auch von Menschen ohne Sehbehinderung gebucht werden. In diesem Fall schaffen Dunkelbrillen absolute Finsternis. In einer Zeit des visuellen Überflusses kann man sich bei diesem Experiment ein anderes Bild von der Welt machen. Für Personen die mit Sehbehinderung arbeiten eine Möglichkeit, um sich besser in deren Lage hineinzuversetzen.

Stichwort Inklusion

Inklusion in Museen ist für Direktor Norbert Winding besonders in gesellschaftspolitischer Hinsicht ein wichtiger Faktor. „Früher meinte man mit Barrierefreiheit eigentlich nur die Zugänglichkeit der baulichen Infrastruktur. Heute geht es um viel mehr. Ausstellungen und begleitende Programme sollen so gestaltet sein, dass sie möglichst für alle Menschen etwas bieten können.“ Im Jahr 2014 formulierte der Blinden- und Sehbehindertenverband Salzburg fünf Kriterien der Barrierefreiheit in Museen – die Spezialführung für blinde und Sehbehinderte wird dabei als Optimum beschrieben. Margaret Heger, Obmann-Stellvertreterin des BSVS: „Je beobachtender, kreativer und einfühlsamer die vermittelnde Person ist, umso besser ist es für unser Vorstellungsvermögen. Eine gute Artikulation und eine klare, nicht zu schnelle Sprache machen das Zuhören und Aufnehmen angenehmer.“