Brailleschrift

Revolutionäre Erfindung

Louis Braille (1809 - 1852) hat mit der Erfindung der Brailleschrift den Grundstein dafür gelegt, dass blinde und stark sehbehinderte Menschen nicht mehr Analphabeten sind, sondern vollen Zugang zu Bildung und damit zu einem selbständigen Leben haben.

Mit drei Jahren erblindet

Im Alter von drei Jahren verletzte sich Louis Braille am Auge. Dieses entzündete sich und infizierte das zweite, bis dahin unversehrte Auge. Dies führte zur völligen Erblindung. Louis Braille, der Literatur nicht nur durch Vorlesen erleben wollte, machte sich schon früh Gedanken über eine Schrift für Blinde.

Er erfand seine Blindenschrift nicht isoliert für sich allein. Er baute auch auf den Überlegungen anderer auf. Ein Anstoß war, dass einer seiner blinden Mitschüler dem Lehrer erzählte, er habe zu Hause eine Karte entdeckt, auf der die Lettern durchgeprägt waren, so dass er die Schrift leicht lesen konnte. Der Blindenlehrer ließ daraufhin Drucke in erhabener Schrift herstellen. Aber die Buchstaben mussten mindestens zweieinhalb Millimeter hoch sein, damit sie erfühlt werden konnten. Nun experimentierte Louis Braille die ganzen Sommerferien hindurch in der Schusterwerkstatt seines Vaters damit, aus Lederstücken Dreiecke, Quadrate und Kreise herzustellen, aber das Ergebnis stellte ihn nicht zufrieden.

Mit 16 Jahren Blindenschrift erfunden

Als 13-Jähriger lernte Braille, die von einem Artilleriehauptmann namens Charles Barbier für militärische Zwecke erfundene "Nachtschrift" kennen, die ein kompliziertes System von Punkten und Silben darstellte. Braille vereinfachte diese Schrift, indem er die Silben durch Buchstaben ersetzte und die Anzahl der Punkte von zwölf auf sechs pro Zeichen reduzierte. 1825 hatte der erst 16-jährige Louis Braille seine Blindenschrift fertig gestellt.

Obwohl die Schriftzeichen leicht erlernbar und einfach zu schreiben waren, konnten sie sich lange nicht durchsetzen.

Erst 1850 wurde die Brailleschrift offiziell für den Unterricht an französischen Blindenschulen eingeführt. In Deutschland erfolgte die offizielle Einführung 1879.

Mit den Händen lesen

Sechs Punkte, drei in der Höhe mal zwei Punkte in der Breite, bilden das Raster für Kombinationen, mit denen die Buchstaben dargestellt werden.

Bei sechs Punkten ergeben sich 64 Kombinationsmöglichkeiten (das Leerzeichen inbegriffen).

Computerbraille (spezielle Implementierung: Eurobraille)

Für die Ausgabe von Brailleschrift durch den Computer werden Braillezeilen verwendet. Da für die Arbeit am Computer mehr Zeichen notwendig sind, wird hier auch oft noch eine vierte Zeile hinzugefügt, so dass acht Punkte zur Verfügung stehen. Auf diese Weise erhält man 256 Kombinationen.

Für viele Sprachen bzw. Fachsprachen gibt es eigene Zeichensätze, bei denen die Bedeutung der Zeichen anders ist. Dazu zählen z. B. die Mathematikschrift, die Chemieschrift, die Musiknotation und andere. Es muss daher zuvor darauf hingewiesen werden, dass ein spezieller Zeichensatz folgt.

Augenfälligstes Beispiel hierfür ist, dass es im 6-Punkt-Braille (Basisschrift) keinen Unterschied zwischen Groß- und Kleinschreibung gibt. Ein Buchstabe wird durch die Voranstellung eines speziellen Zeichens zum Großbuchstaben erklärt.

Notenschrift – die einzig brauchbare bis heute

1839 erfand Louis Braille, der selbst Orgel spielte, eine ebenfalls auf den sechs Punkten basierende Notenschrift. Sie setzte sich schnell durch und ist international standardisiert bis heute die sowohl einzig brauchbare, als auch gleichzeitig perfekte Möglichkeit für Blinde, Musiknoten zu lesen und zu schreiben.

Lese-Leistung

Erfahrene Braille-Leser können etwa 100 Wörter pro Minute lesen.
Zum Vergleich: Sehende Leser schaffen etwa 250-300 Wörter pro Minute.